Wo ich morgen nicht sein möchte!

Das jetzt anstehende Wochenende ist ein ganz besonderes Wochenende. Schon seit Wochen kursiert das zugehörige Hashtag bei Twitter. Und nervt. Das ist ungefähr genauso schlimm wie samstags, wenn RTL zur Primetime allen Sendern das Wasser abgräbt oder Donnerstags, wenn eine verblödete Blondine massenweise Leute vor die Glotze bannt. Doch das Ansehen dieser Unterhaltungssendungen – denen man ja in gewisser Hinsicht einen Unterhaltungswert nicht absprechen kann; zumindest drüber lachen kann man – ist nicht genug. Wer das Zeug nicht schaut, kann sich durch aufmerksames Verfolgen einer Timeline bei Twitter über alles auf dem Laufenden halten. Da Twittern die Leute nämlich sekündlich, was sie gerade sehen. Vermutlich in dem Glauben, sie seien die Einzigen (oder Einzigsten? @Maiky3 ^^), die das sehen würden. Tweets wie „ich bin kacken“ sind da durchaus noch niveauvoller und unterhaltsamer.

Gut, ich regte mich also über Hashtags auf, die mich nerven. Die eben implizit erwähnten sind praktisch durch physische Abwesenheit von Twitter und Co. über 1-2 Stunden hinweg relativ leicht auszublenden. Ein anderes jedoch derzeit nicht. Dieses Hashtag nervt auch nicht so direkt (obwohl ich mir sicher bin, dass es besser sein dürfte, die nächsten Tage nicht bei Twitter mitzulesen, weil man die kommenden Tage nur noch diese Scheiße ertragen werden darf), sondern eher nervt es, wie sich Leute damit positionieren.

Ich hatte also die vergangenen Wochen genug Zeit, mir ein Bild darüber zu machen, welche Twitter-Menschen man dieses Wochenende in Köln antreffen kann. Da wären zum Einen die ß-Prominenz. Das sind Leute, die kein Leben haben, aber gut aussehen. Jeder will was von denen und vermutlich haben die auch ihren Spaß damit, aber außerhalb von Twitter sind sie nichts besonderes. Diese Menschen werden also nach Köln fahren, um ihren sowieso schon völlig übersteigertem Ego – aufgebaut von Twittermenschengruppe #2 – noch eins drauf zu setzen. Wenn die am Ende des Wochenendes nach Hause fahren, dann lachen sie sich vermutlich kaputt über die armen, armen Twitterer aus der zweiten Gruppe, wie dämlich die doch alle sind. Dabei sind sie selbst mindestens genauso dämlich. Die zweite Gruppe – und das sind die Leute, die einem so richtig auf den Sack gehen – sind Menschen, die nach Köln fahren werden, um ihre ß-Prominenz endlich mal live zu sehen und geben sich seit Wochen der Illusion hin, dort Menschen kennen zu lernen, mit denen sie langfristige Beziehungen welcher Art auch immer aufbauen könnten. Diese Gruppe von Twitterwesen bemitleidet sich ständig selbst, wie scheiße das Leben doch sei und wie furchbar einsam sie doch sind und wie sehr sie sich wünschen würden, endlich mal bspw. die große Liebe kennen zu lernen. Ja, das wird euch in den nächsten 2-3 Tagen bestimmt so wiederfahren. Nicht anders. Endlich Rettung. Boah, wie mir diese Art in Selbstmitleid ins Bodenlose zu versinken auf den Keks geht.

Leute, aufwachen! Ihr seid für euer beschissenes Schicksal immer noch selbst verantwortlich. Statt die Fragen von irgendwelchen Bots zu beantworten, in denen ihr eure Wünsche endlich mal mit Menschen zu tun zu haben zum Ausdruck bringt, könntet ihr auch schon längst vor die Tür gelaufen sein und es mal in der Realität ausprobiert haben. Wenigstens die Grafik stimmt da ja bekanntlich. Aber glaubt ihr ernsthaft, eure Art soziale Kontakte im echten Leben aufzubauen oder zu bewahren wird sich in Köln ändern? Wenn ihr nach Hause reist, sehe ich schon die Tweets vor mir… „Ach, wie toll das WE war. #dämlichesNervigesHashtagWasNichtsAnEuremLebenÄndernWird“. „Ich wär so gern wieder da. #selbesHashtag“ „Er war ja sooooo süß, ich will ihn unbedingt mal wieder sehen. Aber ob er mich mag? #dasHashtagWirdAuchJetztNichtBesser“

Geht den Leuten doch nicht aufn Sack mit eurem Selbstmitleid und der sozialen Inkompetenz euch selbst daraus zu befreien. Sondern arbeitet an letzterem. Da wo ihr wohnt am besten.

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